Stille Schalen

Eine mögliche Übersetzung für Raku könnte sein:

„Stille Freude“

Dieser Tradition nur aus der Ferne verpflichtet, habe ich in den letzten Jahren meine Technik erweitert, blieb aber der RAKU-Ästhetik treu.
Seither spreche ich nicht mehr von RAKU-Teeschalen, sondern von „STILLEN SCHALEN“

Alternative Brenntechniken

Von der Raku-Technik kommend, habe ich in den letzten Jahren  zunehmend auch andere Brenntechniken eingesetzt, die mir und meiner Situation angemessener erschienen. Die typischen „Abrauchspuren“ wie das Rissnetz sind in den Hintergrund getreten zugunsten einer Herausarbeitung der Drehspuren.

Im Zentrum steht also die „Biographie“ der Schale

Steinzeug

Steinzeug wird bei mindestens 1200° gebrannt, nach belieben im Gas-, Öl- oder Elektroofen. Die Glasuren entwickle ich selbst aus einem Ton, den ich in meiner unmittelbaren Nähe finde.

Holzbrand

Holzbrandschalen werden in einem keramischen Ofen gebrannt, ausschließlich mit Holz befeuert. Die Brenndauer ist unterschiedlich, wenigstens 10 Stunden aber auch bis zu mehreren Tagen. Die Temperaturen erreichen 1300° und mehr. Durch die lange Brenndauer und den erheblichen Ascheanflug entstehen von selbst Färbungen und Glasur.

Manchmal wird ab 1180° Salz in den Ofen geworfen, was zu zusätzlichen Effekten und Glasuren führt.

Irdenware

Irdenware wird unter 1200° gebrannt. In meinem Fall wähle ich eine Brenntemperatur von ca 1140.

Momentan interessiert mich sehr die koreanische HAKEME Technik. Dabei kommen klassicherweise nur drei Gestaltungselemente zum Einsatz:

Schwarzer Ton, helle, oft nur weiße Engbe (Slip) und eine mehr oder weniger transparente Glasur.

Terra Sigillata

Der Name „Terra Sigillata“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „versiegelte Erde“. Dabei handelt es sich um eine traditionelle mediterane Brenntechnik bei der sehr feine Tonpartikel zu einer Art Engobe verarbeitet wird. Sie wird extrem dünn auf die ungebrannte Keramik aufgebracht und verbindet sich bei geeigneter Brenntemperatur innig mit dem Scherben.

Wilder Ton / Wild Clay

Kommerzieller Ton hat viel für sich: er ist von stets gleicher Qualität, auch Farbe, zeigt im Brand stets die gleichen Eigenschaften, man ist in der Regel vor überraschungen sicher.
Und das ist gleichzeitig sein größter Nachteil!
Wilder, selbst gegrabener Ton zeigt viel viel mehr Eigenleben. Selbst an der gleichen Stelle geborgener Ton variiert von Mal zu Mal.  Er ist ungereinigt und auch ungebändigt. Und er liebt es, den Töpfer zu überraschen.
Ich hole Ton von überall her. Da, wo früher Ziegeleien waren, werde ich immer fündig. Straßenbauarbeiten, Erdbewegungen, Baugruben, ich kann nicht daran vorbei gehen, ohne meine Nase reinzustecken und wenn möglich eine kleine Probe mitzunehmen. 
Andererseits: Mit wildem Ton zu arbeiten ist aufwändig. Meist muss man ihn schlämmen, damit die Steinchen, die ja deutlich schwerer sind, als der Ton, nach unten sinken. Man verwendet dann nur die oberen zwei Drittel der entstehenden Masse. Aber auch dann führen sie sowohl im Herstellungs- als auch im Brennprozess durchaus ihr Eigenleben.
Und genau das liebe ich am „Wilden Ton“
Für viele meiner Glasuren verwende ich einen hellbrennenden Mergelton, sie sehen ihn rechts in den beiden Abbildungen. Alle Teeschalen, die Sie oben in der Galerie sehen, sind damit glasiert. 

The Art of making Teabowls

In diesem kurzen Clip sehen Sie die zentralen Stationen beim Herstellungsprozess einer Raku-Teeschale.

Ich liebe es, die Schalen auf dem Steg meines Bootshauses zu drehen, dann am Ufer zu brennen und direkt im See abzuschrecken…

Gerd Wagner

Über mich

Raku, was „Stille Freude“ meint, ist eine 500 Jahre alte japanische Töpfertechnik,aus der heraus Teekeramik, für die, dem ZEN nahestehende Teezeremonie, entstand.

Dieser Tradition nur aus der Ferne verpflichtet, verwende ich zur Färbung meiner Schalen gerne einen Naturton,den ich in meiner unmittelbaren Nähe finde.

Einzeln gebrannt, werden sie rotglühend aus dem Feuer gezogen, in Sägemehl verräuchert und erstarren dann zu ihrem unverwechselbaren Charakter.

In den letzten Jahren habe ich zunehmend auch andere Brenntechniken eingesetzt, die mir und meiner Situation angemessener erschienen. Die typischen „Abrauchspuren“ wie das Rissnetz sind in den Hintergrund getreten zugunsten einer Herausarbeitung der Drehspuren.

"Die Welt trifft sich in einer Schale Tee"

Kakuzo Okura

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2 Gedanken zu „Stille Schalen II

  • 15. Januar 2026 um 20:13 Uhr
    Permalink

    Schöne Seite, nur leider schwer im Netzt zu finden

    Antworten
    • 15. Januar 2026 um 20:57 Uhr
      Permalink

      Na, ja, so schwierig ist es nun auch wieder nicht…

      Antworten

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